Zu Gast in der Peking-Oper

Ein totaler Gegensatz zur berühmten Opéra Garnier in Paris, von der ich sehr angetan bin, ist die Oper in Beijing. Die Aufführungen, die in der nicht minder berühmten „Peking-Oper“ stattfinden sind arg gewöhnungsbedürftig für unsere Ohren. Logisch, denn es ist ein völlig anderer Kulturkreis. Jedoch wenn man in Peking ist, gehört ein Besuch in der Peking-Oper dazu. Es ist quasi ein „Muss“ für alle Touris und ein Ereignis, das man nie mehr vergisst. In der Peking-Oper sind Gesang, Rezitation, Pantomime und Akrobatik miteinander verbunden. Zum Glück haben die Veranstalter ein Herz für „westliche Ohren“, denn die Aufführungen für ausländische Gäste sind abgespeckt und dauern lediglich 60 Minuten. Chinesen dagegen halten es bis zu drei Stunden und länger aus, berichtete unser Reiseleiter. Wenngleich man nichts versteht vermitteln die speziellen Aufführung für Touristen einen kleinen Einblick in diese einzigartige Kunstform. Die hohen Stimmen der Sängerinnen und Sänger, der permanente Singsang und das ohrenbetäubende Pling, Pling, Plong der Instrumente, benebelt wahrlich alle Sinne. Nach der Aufführung war ich fix und fertig, gleichzeitig restlos begeistert von den tollen Kostümen, einzigartigen Masken, den Tanz- und Kampfszenen. Und Natürlich geht auch in der Peking-Oper um die weltumspannenden Themen wie Liebe und Eifersucht, Gut gegen Böse, alte Mythen und Legenden. Nach der Aufführung konnten wir die Darsteller, die zum Teil große Stars in China sind, im Foyer bewundern.



Die Peking-Oper kann auf eine 150jährige Geschichte zurückblicken. Ihre Entstehung geht auf die Regierungsperiode von Kaiser Qianlong (1736-1795) der Qing-Dynastie zurück. Während einer Inspektionsreise südlich des Yangtse interessierte sich dieser für Lokalopern, und an seinem 80. Geburtstag im Jahre 1790 berief er lokale Operntruppen aus verschiedenen Teilen des Landes zu Vorführungen nach Beijing. Die vier wichtigsten Truppen aus der Provinz Anhui blieben dann in der Hauptstadt, um den Kaiser zu vergnügen. Sie verdrängten allmählich die Kunqu-Oper, die bis dahin am Hof und bei der Oberschicht dominierend gewesen war. Im Jahre 1828 kam dann noch eine Operntruppe aus der Provinz Hubei nach Beijing und teilte mit den Anhui-Truppen die Bühne. Dabei wurden sowohl Erhuang- als auch Xipi-Melodien gesungen. Diese Vorführungen wurden allgemein Pihuang genannt und stellten Vorläufer der Peking-Oper dar. Gesungen wird in der Peking-Oper nach festgelegten Melodien, die aber im Rhythmus variieren und gut die Gefühle und die seelische Verfassung der verschiedenen Charaktere in unterschiedlichen Situationen ausdrücken. Die Peking-Oper weist Dialoge und Monologe auf. Rezitiert wird in Beijing-Dialekt mit und ohne Reim. Jede Bewegung, wie sich am Bart zupfen, sich den Hut zurechtrücken, die Ärmel schütteln oder den Fuß heben, folgt stilisierten Mustern, hat symbolischen Gehalt und ist genau festgelegt. Feine Veränderungen bringen hier unterschiedliche emotionale Intensität der verschiedenen Charaktere zum Ausdruck.

Bei Youtube habe ich einen schönen Mitschnitt gefunden. Dank an dieser Stelle an den "wackeren Filmer"... Und nun "Vorhang auf!" für 9 Minuten Peking-Oper. Viel Spaß dabei...