
Unsere damalige Kochlehrerin hatte sich überlegt, dass wir zur Weihnachtszeit lernen sollten, wie man Marzipan macht. Eine gute Idee. Unsere Schulküche hatte einen kleinen Vorratsraum, in dem alle Zutaten lagen. Die Lehrerin hatte alles frühzeitig und nach Plan eingekauft. Doch bevor es an die Marzipanherstellung ging, stand noch die Produktion anderer Köstlichkeiten auf dem Lehrplan. Derweil lagerten die köstlichen Mandeln im Vorratsraum. Als wir in diesen Tagen Lübeck, der "bundesdeutschen Marzipanhauptstadt" waren, fiel mir diese Geschichte wieder ein...

Nun ja ich gestehe frei heraus, ich kam damals an den Mandeln nicht vorbei, wenn ich in die Vorratskammer geschickt wurde, um irgendetwas zu holen. Es war einfach zu verführerisch und so öffnete ich zunächst ein Mandeltütchen an einer Ecke und schwups waren die ersten Mandeln in meinem Mund verschwunden. Ehe ich mich versah hatte ich auch schone eine ganze Tüte leer gefuttert. In der nächsten Woche folgte die Zweite. Was solls, dachte ich, es liegt ja reichlich Vorrat im Regal… Es nahte Tag X, der große Tag, wo wir in die Kunst der Marzipanherstellung eingewiesen wurden. Die Lehrerin diktierte das Rezept und wir schrieben alles fein säuberlich in unsere Kochbücher. Nach der Theorie folgte die Praxis. Höchstpersönlich ging Frau Lehrerin die die Speisekammer, um alle Zutaten zu holen und auf die vier Kochgruppen zu verteilen. Was folgte, kann man sich fast schon denken – es gab ein großes Donnerwetter, aufgrund des stark dezimierten Mandelvorrates… Meine Mitschülerinnen haben mich und meine Naschsucht übrigens nicht verraten. Die hergestellte Menge von Marzipankartoffeln fiel halt geringer aus und alle hatten bei mir etwas gut...
Hier kommt das Rezept zum Ausprobieren, man benötigt:
500 g Mandeln
500 g Puderzucker
3 EL Rosenwasser (gibt es in Apotheken)
sowie etwas Bittermandelölaroma
Die Mandeln werden mit kochendem Wasser übergossen. Die Mandel kurz ziehen lassen. Anschließend das Wasser abgießen und die Mandeln häuten. Die Mandeln gut trocknen lassen, danach in der Küchenmaschine fein mahlen. Mandelmasse mit gesiebtem Puderzucker, Rosenwasser und Aroma mischen und erneut in der Küchenmaschine mahlen, bis sich die Masse bindet und knetfest ist. Rollt man das fertige Marzipan zu Kugeln und wälzt sie danach in Kakaopulver erhält man leckere Marzipankartoffeln… Der Kreativität bei der Weiterverarbeitung sind keine Grenzen gesetzt...

Das Ursprungsgebiet des Marzipans ist der Orient. Die süßen Spezialitäten gelangten durch die Kreuzzüge nach Europa. Anfangs wurde Marzipan von Apothekern hergestellt und galt noch bis zum 18. Jahrhundert als Heilmittel. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich das Marzipan zur Nachspeise an fürstlichen Tafeln und war ein kostbares Geschenk für die höchsten Würdenträger. Nach der Entdeckung der Neuen Welt und dem weltweiten Anbau von Zuckerrohr konnte Europa reichlicher mit Zucker beliefert werden als zuvor. Das führte dazu, dass nun Zuckerbäcker den Vertrieb des Marzipans übernahmen, die aus den ehemals einfach geformten Marzipan-Broten kunstvolle Gebilde und von Hand modellierte Figuren zauberten.
Das berühmte Lübecker Marzipan ist eine von der EU geschützte geographische Herkunftsbezeichnung für Marzipan aus der norddeutschen Stadt Lübeck. In den Lübecker Zunftrollen wird „Martzapaen“ erstmals im Jahre 1530 erwähnt. Lübecks Ruf als „Marzipanstadt“, seine Vorrangstellung bei der Marzipanproduktion, wurde allerdings erst nach 1800 begründet.
1786 gründet der Konditor Johann Gerhard Maret seinen Betrieb. Er stirbt 1804 und hinterlässt einen kleinen Sohn, so dass sein langjähriger Geselle Johann Georg Niederegger zunächst die Konditorei weiterführt. 1822 endlich übernimmt Peter August Maret den Betrieb und Niederegger gründet seine eigene Firma…
Das Geschäft von Niederegger im Herzen Lübecks ist ein Tempel der süßen Verführung. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit herrscht hier Hochbetrieb. Zu empfehlen ist ein Besuch im Café des Traditionshauses. Die hauseigene Marzipantorte ist ein absoluter Hochgenuss…