Es ist gut dieses Diplom zu besitzen, frei nach Loriot - in Anlehnung an das „Jodel-Diplom“ und der daraus resultierenden Gewissheit, etwas eigenes, ja etwas ganz tolles zu besitzen... Wenngleich ich bekenne, dass ich trotz des Diploms keine Whisky-Expertin bin, so weis ich wohl, dass ein alter schottischer Single Malt, gereift in ausgedienten Sherry-Fässern aus Spanien, der allerbeste Whiskys der Welt ist. Je älter ein Single Malt ist, desto wertvoller und teurer ist er. Ganz im Gegenteil zu dem industriell abgefüllten Verschnitt, dem so genannten „Blended Whisky“. Diese Markenprodukte werden so gemischt, dass immer den gleichen Geschmack haben, was natürlich auch eine Kunst ist und ein hohes Maß an Fachwissen erfordert.
Mein Diplom wurde mir damals in der kleinsten schottischen Brennerei „Edradour“ in Pitlochry überreicht. Die renommierte Brennerei produziert seit 150 Jahren einen erstklassigen Single Highland Malt Whisky in reiner traditioneller Handarbeit. Die Produktion des Whiskys „The Edradour“ ist limitiert, was diesen so einzigartig und beliebt unter Whisky-Liebhabern macht. Der Hauptbestandteil meines „Experten-Diploms“ bestand in der Verkostung eines Single Malts. Ich kann mich noch daran erinnern, dass er wirklich gut geschmeckt hat und sehr mild war.
Pitlochry ist eine beschauliche Gemeinde in den Highlands mit ca. 2.500 Einwohnern, gelegen am Fluss Tummel. Trotz aller Beschaulichkeit, gibt hier so etwas wie einen „Whisky-Trail“, denn ansässig in Pitlochry ist noch eine zweite Brennerei die „Blair Athol Distillery“, die wir diesmal besichtigt haben. Bei unserer charmanten Gästeführerin wollte ich sogleich damit punkten, dass ich „The Edradour“ kenne. Eingebracht hat mir mein Hinweis, einen verächtlichen Blick und „Baah“, im Sinne von: „Dieser Whisky ist Abwasser.“
Wobei wir bei der Frage wären: „Wer hat ihn eigentlich erfunden, den Whisky?“, denn in Irland erzählte man uns, dass selbstverständlich hier der beste Whisky der Welt gebrannt werde und der schottische wie Brackwasser schmecke. Es ist ein mit Leidenschaft ausgetragener Whisky-Streit zwischen Iren und Schotten, denn bis heute steht nicht fest, ob Schottland oder Irland das Ursprungsland des Whiskys ist. Die Geschichte reicht bis in das 5. Jahrhundert und auf den irischen Nationalheiligen St. Patrick zurück, der aus Schottland stammend, das Land der Kelten missionierte und in Irland starb. Die Mönche verfügten über das Wissen und die Gerätschaften zur Herstellung von Arzneimitteln. Nach der Legende, waren die Kelten die ersten, die eine wasserklare Flüssigkeit das „Aqua vitae“ – das „Wasser des Lebens“ destillierten.
Auf jeden Fall ist die Whisky-Brennerei eine hoch interessante Angelegenheit, so auch in der „Blair Athol Distillery“. Auch hier gönnt man dem Whisky viel Ruhe und bedenkt auch die Engel mit ihrem Anteil, dem so genannten „Angels’ share“, der Menge Alkohol, die durch die Poren der Holzfässer verdunstet. Glückliche Engel ;-) Die Brennerei wurde von 1798 von John Stewart und Robert Robertson unter dem Namen Aldour Distillery gegründet. Der Name kommt vom unweit gelegenen Flüsschen Allt Dour. 1825 erweiterte James Robertson die Destillerie und gab ihr danach den Namen Blair Athol. 1882 kaufte Peter Mackanzie die Brennerei. 1932 wird Blair Athol geschlossen. 1933 kaufen Arthur Bell & Sons Ltd. die Brennerei. Erst 1949 wird sie wieder in Betrieb genommen. 1985 kaufte United Distillers Blair Athol. Die Brennerei produziert heute industriell und verfügt über einen 8 Tonnen Maischbottich aus Edelstahl und acht Gärbottiche je 40.000 Liter. Destilliert wird in zwei wash stills (je 13.000 l) und zwei spirit stills (je 11.500 l) die durch Dampf erhitzt werden. Blair Athol Whisky wird zu fast 90% an Bell's, zur Herstellung eines Blend-Whiskys verkauft. Es gibt aber auch einen Single Malt.
Am Ende der Führung durch das Besucherzentrum wurde uns davon selbstverständlich ein Fingerhut voll kredenzt. Natürlich ist es absoluter Frevel, ein solch edles Getränk mit Wasser oder gar einem Eiswürfel seines Geschmacks und seiner Reinheit zu berauben. Jedoch als "diplomierte Whisky-Expertin", fällt mein Geschmacksurteil für diesen Single Malt nicht gut aus. Wir konnten ihn nur mit Wasser verdünnt herunterbekommen. Unsere charmante Gästeführerin wollte das nicht verstehen und so tröpfelte sie das verlangte Wasser vorsichtig und mahnend in unsere Kostprobe. Und sie wurde natürlich nicht müde, die eigene Hausmarke in den höchsten Tönen zu loben. Logisch, denn der Rundgang endete im Shop, wo wir reichlich einkaufen sollten. Tut mir leid, aber dieser Bells hatte echt etwas was von „Racke Rauchzart“, jenem angesagten „Feuerwasser der frühen 60iger“…