Neue Pinakothek

Wer sich für die Museen in München interessiert, dem kann ich die Rundreise mit der StadtBus-Linie 100 empfehlen. Diese Linie, auch als Museenlinie bezeichnet, fährt auf ihrem Weg vom Ostbahnhof durch die Innenstadt zum Hauptbahnhof Nord, insgesamt 24 Museen an. Sieben Museen habe ich auf diese Weise bei meinem Besuch im März geschafft, wobei mein Favorit ganz klar die Neue Pinakothek war, weil es man hier u. a. eine beeindruckende Sammlung französischer Impressionisten sowie als absolutes Highlight drei Bilder von Vincent van Gogh ansehen kann.


Die Neue Pinakothek liegt im Münchener Kunstareal und ist Bindeglied zwischen ihren zwei Geschwisterinstitutionen – der Alten Pinakothek mit den Alten Meistern und der Pinakothek der Moderne für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Neue Pinakothek präsentiert europäische Kunst des 19. Jahrhunderts und vermittelt einen Überblick über die Epochen der Aufklärung bis zum Anbruch der Moderne – von Goya und David bis zu van Gogh und Cézanne – und umspannt damit das späte 18., gesamte 19. und die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Neben Gemälden und Skulpturen des Klassizismus sind Werke der Romantik, des Jugendstils und des Impressionismus zu sehen. Der Bestand der Neuen Pinakothek umfasst mehr als 6000 Werke und ist seit 1915 Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, welche mit mehr als 30.000 Objekten einen wesentlichen Teil des Gemälde- und Kunstbesitzes des Freistaates betreut.

Hier die drei Bilder von Vincent. Zu bewundern sind im Saal mit der Nummer 19.



Sonnenblumen (1888)
Vincent van Gogh hatte dieses Bild einer strahlenden Farbigkeit und hochgemuten Lebensstimmung, gemalt im August 1888, zum Schmuck seines Ateliers in Arles bestimmt, in dem er zusammen mit Paul Gauguin malen wollte. Auf einfache Weise, in hohem Maß flächig, hat der Maler Vase, Blumen, Standfläche und Hintergrund dargestellt. Das eiskalte Türkis des Grundes steigert dabei die Gelb- und Gelbbrauntöne außerordentlich, sodass die Blumen die Vorstellung der sommerlichen Provence und eines - im doppelten Sinne des Wortes - glühenden Lebens erwecken, wie es van Gogh selbst geführt hat. Die Blume versinnbildlicht hier die Sonne, die der Künstler als Symbol des Lebens verstanden und so auch in etlichen Werken dargestellt hat. Die einfache Form und die starke Farbigkeit gehen auf Anregungen japanischer Druckgraphik zurück, sodass zugleich auch Beziehungen zum so genannten Cloisonismus des Gauguin-Kreises sichtbar werden. Wie van Gogh den Süden Frankreichs in einem umfassenden Sinn als "Japan" verstand, wo sich ein glückliches Leben verwirklichen ließe, so bezeugen auch die "Sonnenblumen" diese große Idee. Das Münchner Gemälde ist nicht die einzige Version der "Sonnenblumen", die van Gogh gemalt hat, aber es ist eine besonders wichtige. Der Künstler hat diese und die Fassung in der National Gallery in London stets als Pendants gesehen. Später dachte er daran, zwei Sonnenblumengemälde für das Gemälde "La Berceuse" als besonders festliche Rahmung zu verwenden, sodass ein Triptychon entstanden wäre.
(Quelle: Neue Pinakothek)



Blick auf Arles (1889)
Dieses im Frühling 1889 entstandene, in lichten, leuchtenden Farben gemalte Bild, zeigt am Horizont die Stadt und vorgelagert Gärten in der üppigen Blüte ihrer Bäume und Sträucher. Landschaft hat van Gogh hier, wie so häufig, als zum Menschen gehörende, von ihm gepflegte, reiche Natur dargestellt. Die Stadt, Ort der menschlichen Gemeinschaft, ist von einem geradezu paradiesischen Garten umgeben. Diesen schönen, glücklichen Zustand vermag der Künstler wohl zu schildern, doch gibt er uns durch das Wasser und vor allem das "Gitter" der Pappelstämme mit ihren nackten Trieben auch zu verstehen, dass ihm der Zugang zu einem solchen Paradies verwehrt ist, verwehrt worden ist. Es war kaum ein Jahr her, im Mai 1888, seit er eine andere Ansicht von Arles gemalt hatte - mitten in Wiesen voll gelber und violetter Blumen - ein japanischer Traum. Diesen Traum hatten vor allem der Ausbruch der Nervenkrankheit und die nachfolgenden Anfälle zerstört, gegen die sich der Künstler immer wieder zur Wehr setzen musste. Die helle Palette und der kleinteilige Pinselduktus zeigen zwar den Einfluss der Impressionisten, doch hat keiner dieser Künstler - wie van Gogh - Naturdarstellung in derart umfassender und ernster Weise auf den Menschen bezogen.
(Quelle: Neue Pinakothek)




Ebene bei Auvers (1890)

Im französischen Auvers sur Oise hat Vincent van Gogh seine letzten 70 Tage verlebt. Sein Bruder, der Kunsthändler Theo van Gogh, brachte 1890 den nervenkranken Vincent zum Arzt und Kunstliebhaber Dr. Gachet. In der kurzen Zeit seines Aufenthalts malte Vincent wie im Rausch. In 70 Tagen schuf er rund 80 Gemälde und 60 Zeichnungen. Das noch ländliche Auvers mit seinen Stroh gedeckten Hütten bot ihm zahlreiche Motive. Er malte die Häuser des Dorfes, seine Kirche und die Porträts einiger Bewohner, darunter auch das des Dr. Gachet und dessen Tochter. Er malte die Kornfelder und immer wieder die zauberhafte Landschaft, die den kleinen Ort im Tal der Oise umgibt. Im Gasthaus L’Auberge Ravoux, wo Vincent eine erbärmliche Kammer bewohnte, schoss er sich am 27. Juli 1890 eine Kugel in die Brust. Er starb zwei Tage später an seinen Verletzungen und wurde auf dem Friedhof von Auvers bestattet. Später fand auch Theo van Gogh hier seine letzte Ruhestätte. Er wurde neben seinem Bruder Vincent bestattet.