Erstaunt war ich bei einer Erkundungstour durch „La Défense“, dem modernen Hochhaus-Viertel im Westen von Paris, welche Tragweite diese Phrase für die Franzosen hat, denn beim gemütlichen Schlendern durch die größte Bürostadt Europas, habe ich diese Bronze-Skulptur entdeckt und sofort abgelichtet:
„J’aimerais mieux baiser mon pouce!“, schoss mir sofort durch den Kopf – ein Denkmal für eine Phrase, auf solch eine Idee können auch nur die Franzosen kommen. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass hier in diesem Banken- und Bürokomplex, wo tausende Menschen arbeiten, dieser Satz in stressbedingten Situationen manchmal fällt oder zumindest still gedacht wird, wenn mal wieder der Chef oder die Kunden nerven...
Herausgefunden habe ich, dass dieses Werk, tatsächlich „Le Pouce“ – Der Daumen heißt und ein Werk von César Baldaccini, genannt César ist. Der Bildhauer wurde 1921 in Marseille geboren und starb 1998 in Paris. César war ein international bedeutender französischer Bildhauer des Nouveau Réalisme, der auch den César, die Trophäe des französischen Filmpreises entworfen hat.
In Marseille hat César Baldaccini die École des Beaux-Arts besucht. 1942 kam er nach Paris. Als mittelloser Student der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris arbeitete er in einer traditionellen Bildhauerklasse. 1961 schloss sich César der losen Künstlervereinigung Nouveau Réalisme an, welche im Jahr zuvor in Paris gegründet worden war. Der 39-jährige César hatte sich mit seinen Plastiken aus geschweißtem Alteisen auf internationalen Ausstellungen bereits einen Namen gemacht, u. a. 1956 auf der Biennale Venedig, 1957 auf der Biennale São Paolo und der Biennale in Carrara sowie in der Hanover Gallery in London, 1958 im Carnegie Institute Pittsburgh und auf der Weltausstellung in Brüssel, 1959 auf der documenta II in Kassel (er war ebenfalls auf der documenta III 1964 und auf der 4. documenta 1968 vertreten). „Le Pouce“, entstand 1964.
In diesem Sinn: „Daumen hoch!“ für dieses außergewöhnliche Kunstwerk in Paris.