Monsieur Ladoucette

Cassoulet ist ein deftiger Bohneneintopf aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Südwesten Frankreichs - aus der Region Languedoc. Das Gericht besteht aus weißen Bohnen, Speck, Schweinefleisch und Würstchen. Mitunter werden auch Lammfleisch, Gans oder Ente hinzu gegeben. Die Rezepte können variieren und jede gute französische Hausfrau schwört auf das traditionelle Familienrezept.



Auch meine Freundin und ich haben auf einer unserer Frankreichreise schon Bekanntschaft mit dem Nationalgericht gemacht und mochten bzw. konnten es nicht verschämen, weil es uns im Hause eines guten Freundes aufgetischt wurde. Cassoulet schmeckt prinzipiell gar nicht sooo schlecht und eignet sich sicher gut als Mittagessen im Winter. Uns wurde es als Nachtmahl im Sommer gereicht und wie man sich vielleicht denken kann, lag dieses schwere Gericht auch schwer im Magen und ließ die laue Sommernacht zum Tag werden, weil wir aufgrund der Magenschmerzen kein Auge zu bekommen haben. Wir haben uns der kulinarischen Herausforderung in Frankreich gestellt und tapfer unsere Teller bis auf die letzte weiße Bohne leer gegessen...

In diesen Tagen widerfuhr mir ein „Dejá vu“, ausgelöst durch die Geschichte von Monsieur Ladoucette. Dieser ist Protagonist in dem Buch „Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette“ von Julia Stuart. Eingangs des Romans wird Monsieur Ladoucette als Hüter des Cassoulets vorgestellt. Seine Mutter hat den Eintopf vor 19 Jahren angesetzt und seitdem köchelt er auf dem Herd. Das Fleisch hat sich längst von den Knochen abgelöst, die Knochen dürfen jedoch nicht entfernt werden, denn diese sind so etwas wie Reliquien. Madame Ladoucette führt einen immerwährenden Cassoulet-Krieg mit ihrer Nachbarin darüber, ob Tomaten in das Gericht gehören oder nicht.

Ich habe ein Cassoulet-Rezept mit Tomaten und nachfolgenden Zutaten recherchiert:

500 g kräftig gewürzte Bratwurst, 300g durchwachsener Speck, 1 kg Lammfleisch aus der Schulter, 8 Entenkeulen, 1 kg weiße getrocknete Bohnen, 3 Tomaten, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 3 Zwiebeln, 500 ml Weißwein, 500 ml Hühnerbrühe 1 Liter Wasser, 2 Lorbeerblätter, 3 EL Gänseschmalz, Thymian, Majoran, Meersalz und Pfeffer.

Die Bohnen müssen 24 Stunden in Wasser eingeweicht werden. Danach werden Bohnen und Fleisch langsam auf dem Herd gekocht, alles andere kommt irgendwie dazu und wird dann bei niedriger Temperatur im Backofen fertig gegart, was mehrere Stunden beansprucht. Die beim Backen entstehende Kruste wird immer wieder untergerührt. Ein gutes Cassoulet sollte traditionsgemäß sieben Krusten haben, d. h. das Zubereiten dauert fast den ganzen Tag und bei Madame Ladoucette nun schon unglaubliche 19 Jahre. Wegen der Tomaten würde mir Madame wahrscheinlich auch einen Aal um die Ohren hauen...

Ihr Sohn Guillaume Ladoucette ist Friseur. Beide leben in dem 33-Seelen-Dorf Amour-sur-Belle. Eines Tages bekommt Guillaume Konkurrenz aus Paris. Seine Kunden laufen ihm davon – oder bekommen altersbedingt eine Glatze, und er muss sich einen anderen Beruf suchen. Obwohl er sich in Liebesdingen ziemlich ungeschickt anstellt, beschließt er, eine Heiratsvermittlung aufzumachen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist diese von Erfolg gekrönt.

In dem Dörfchen Amour-sur-Belle leben wahrlich schrullige Typen, an deren Leben der Leser des Romans Anteil haben darf. Dieses Buch ist voller Witz, voll detailreicher Beschreibungen und wahrlich ein höchst amüsantes Buch, das fortan zu meinen Lieblingsbüchern gehört. Wer „Die fabelhafte Welt der Amélie“ liebt, wird auch Guillaume Ladoucette und die 33 Einwohner von Amour-sur-Belle lieben und bereits nach weinigen Buchseiten in sein Herz schließen. „Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette" ist eine herrliche, sehr erfrischende Lektüre, die ich unbedingt zum Schmökern empfehlen möchte.

Mit der Empfehlung ein Cassoulet auszuprobieren, halte ich mich aufgrund der gemachten Erfahrungen höflichst zurück...



Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 3442466857
ISBN-13: 978-3442466856
Originaltitel: The Matchmaker of Perigord