
Pfeffer ist ein allgegenwärtiges Gewürz und in der Küche so häufig im Gebrauch wie Salz. Pfeffer ist eine Pflanze aus der Familie der Pfeffergewächse, deren Früchte ein durch das darin enthaltene Alkaloid Piperin scharf schmeckendes Gewürz liefern. Die ursprüngliche Heimat dieser Pflanze ist Indien, speziell die Malabarküste, dort ist der Pfeffer seit über 4.000 Jahren als Gewürz bekannt. Der lateinische Name ist Piper nigrum, die Griechen nannten es Péperi, die Römer piper, die Engländer pepper. Malabar ist übrigens das ferne Land, in das man seine Feinde wünscht:
"Geh wohin der Pfeffer wächst"…
Es gibt den grünen Pfeffer, der aus unreifen, früh geernteten Früchten gewonnen wird. Er unterscheidet sich vom schwarzen Pfeffer dadurch, dass er entweder frisch in Salzwasser eingelegt wird oder schnell und bei hohen Temperaturen getrocknet wird und dadurch die ursprüngliche grüne Farbe behält. Neben dem schwarzen, gibt es noch den weißen Pfeffer. Dieser ist ein von der Schale befreiter vollreifer Pfeffer. Zu seiner Produktion werden die reifen roten Pfefferbeeren etwa acht bis vierzehn Tage in fließendem Wasser eingeweicht, so dass sich die Schale durch Fäulnis ablöst. Danach werden sie mechanisch geschält, getrocknet und teilweise in der Sonne gebleicht. Der Rote Pfeffer besteht aus vollkommen reifen, ungeschälten Pfefferfrüchten und wird meist ähnlich wie auch der grüne Pfeffer in salzige oder saure Laken eingelegt. Roten Pfeffer gibt es auch in getrockneter Form.
Und dann gibt es noch den Zitronenpfeffer, der im eigentlichen Sinn kein Pfeffer, sondern eine Gewürzmischung aus Pfeffer, getrocknetem Zitronensaft, Zitronensäure und Zitronenschale ist. Mit diesem Gewürz habe ich auf ungewöhnliche Weise Bekanntschaft gemacht und zwar auf einer Rundreise durch Norwegen. Auf Norwegisch heißt Pfeffer übrigens: „Pepper“.

Nun ja unser Reiseleiter, ein sehr guter Norwegerkenner, bewandert in allem, was man über Land und Leute wissen muss, schwärmte vom Einsatz des Zitronenpfeffers in der norwegischen Küche und lobte das Gewürz in den höchsten Tönen. Ideal sei die Verwendung von Zitronenpfeffer bei der Fischzubereitung. Er erzählte so viel darüber, dass wir auf unserer Besichtigungstour durch den Nationalpark Jotunheimen geradezu nach Zitronenpfeffer lechzten und wir in unserer Reisegruppe einhellig der Meinung waren, dass wir zu Hause unsere Fischgerichte oder Salate nie wieder ohne Zitronenpfeffer zubereiten würden. Mein Gott, was war uns da in den letzten Jahren an Geschmack und Würze entgangen... Und dann berichtete er noch, dass er seinen Zitronenpfeffer immer in Norwegen kaufe und fügte an, dass es in dem Feriendorf, Ausgangspunkt für unsere Exkursionen, einen Supermarkt gäbe, wo wir uns mit Zitronenpfeffer eindecken könnten.
Wir fieberten dem nächsten Tag entgegen, denn der war ausflugsfrei und eingeplant für eigene Entdeckungen vor Ort. Gleich nach dem Frühstück machte sich wahrlich die gesamte Reisegruppe auf den Weg zum kleinen Spar-Markt in Beitostølen. Beitostølen ist eigentlich ein Wintersportort. Aus diesem Grund sind die großen Hotels im Sommer geschlossen. Die Anzahl der Sommertouristen, zumeist Wanderer, die hier Erholung suchen, ist angenehm und überschaubar.
Wir fielen gleichsam wie die Heuschrecken in den Mini-Markt ein und begaben uns sofort auf gemeinschaftliche Suche nach dem Gewürzregal. Dort fanden wir dann das Objekt unserer Begierde und freuten uns über „Hindu-Østens fineste krydde“ und griffen eifrig nach dem „HINDU-SITRONPEPPER“, hergestellt von der Firma Olaf Elligsen in Bergen. Der Verkaufskarton mit den 70 g Streugläsern war in null-komma-nix leer und die Kassiererin staunte nicht schlecht, über die Schlange vor ihrer Kasse, die sich mit dem vermeintlichen norwegischen Verkaufsschlager eingedeckt hatte. Glücklich und zufrieden marschierten wir mit unserem Souvenir zurück ins Hotel.
Wieder Zuhause angekommen, gesellte sich der Zitronenpfeffer zu den anderen Gewürzen in den Küchenschrank und kam alsbald zum Einsatz. Es ist wirklich eine tolle Gewürzmischung, die mich immer an die Norwegen erinnern wird. Ob unserer Reiseleiter eine Verkaufsprovision im Sparmarkt kassiert hat, blieb offen, festzuhalten ist jedoch, dass man mit entsprechenden Argumenten sehr schnell ein reges Interesse wecken kann.
Die würzig zitronige Gewürzmischung kann man übrigens sehr gut selbst herstellen. Man benötigt vier Biozitronen, 40 g weiße Pfefferkörner, 2 TL feines Meersalz und eine Msp. Ascorbin- oder Zitronensäure.
Die Biozitronen gut waschen und trocken reiben. Dann mit einem Sparschäler die Schale, dünn abschälen. Die Schale trockenen im Herd trocknen lassen. 2/3 der getrockneten Zitronenschalen in einem Universalzerkleinerer pulverfein zermahlen, die Pfefferkörner dazu und ebenfalls zermahlen, dann das Salz (und die Ascorbinsäure) dazu geben und vermischen. Am Schluss das letzte Drittel der Zitronenschalen in einem Mörser granulatartig zerstoßen und auch zu der Mischung hinzufügen und gut vermischen. Die Gewürzmischung in einen Gewürzstreuer füllen und fertig ist der selbstgemachte Zitronenpfeffer ohne jegliche Zusätze.
Viel Spaß beim Ausprobieren und Guten Appetit oder „Vel bekomme!“, wie man in Norwegen, dem Land des Zitronenpfeffers sagt …