Die Stadtführerin in Florenz sagte über Siena: „Die Sieneser haben eine Mauer um ihre Stadt gebaut und diese prägt auch ihr Denken!“… Im übertragen Sinn heißt dies also, dass sich die beiden Städte gegenseitig für etwas „beschränkt“ halten. Nun ja, das ist nichts außergewöhnliches, denn auch hierzulande gibt es konkurrierende Städte…

Der Dom von Siena ist die Hauptkirche der Stadt und eines der bedeutendsten Beispiele gotischer Architektur in Italien. Der Kirchenbau aus weißen und schwarzen Marmor ist sehr beeindruckend – innen wie außen. Wir hatten großen Glück bei der Innenbesichtigung des Doms, da wir den einmaligen Bodenbelag sehen konnten. Zum Schutz ist der Boden die meiste Zeit des Jahres abgedeckt und wird nur für ein paar Wochen gezeigt. Beim Bodenbelag handelt es sich um kunstvoll gravierte Marmorplatten, sowie um farbige Intarsienarbeiten die biblische Themen, aber auch solche aus Sagen und Legenden darstellen.
Der Dom entstand aus einer dreischiffigen romanischen Basilika. Heute präsentiert sich der Bau immer noch als solche, jedoch mit gotisch erhöhtem und eingewölbtem Mittelschiff, kompliziertem, mehrschiffigen Querhaus und einem gotischen Chor. Romanisch blieb die unregelmäßig sechseckige Kuppel über der Vierung, die für viele der Unregelmäßigkeiten des Baues verantwortlich ist. Der Bau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts begonnen und zog sich bis in das 14. Jahrhundert hinein. Eine letzte Vergrößerung wurde 1339 begonnen, aber wegen Geldmangel und Problemen mit der Statik nie zu Ende geführt; heute sind nur Nordseitenschiff und Fassade des „Duomo Nuovo“ zu sehen, die die Großartigkeit des unvollendeten Plans andeuten.
Der Campanile (Glockenturm) stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ist in Anlehnung an pisanisch-lombardische Glockentürme der Romanik gestaltet.
Weitere Kunstschätze im Inneren des Doms ist die achteckige Kanzel von Niccolò Pisano von 1266-1268. Sie ruht auf Säulen, die von Löwen gestützt werden.
Die beeindruckende Piccolomini-Bibliothek, die an den Dom angrenzt, wurde von Kardinal Francesco Piccolomini (später Pius III.) zu Ehren seines Onkels Pius' II. gegründet. Hier befinden sich Pinturicchios berühmte Fresken mit Szenen aus dem Leben des späteren Papstes und eine Sammlung von Chorbüchern (auf gemeißelten Tischen) mit Malereien von Sieneser und anderen Künstlern.

Siena oder Florenz? Ich denke immer noch darüber nach, welche der beiden Städte nun meine Favoritin geworden ist. Beide Städte sind einzigartig, jede auf ihre Weise, so richtig entscheiden kann ich mich darum nicht...