Pisa

Hauptanziehungspunkt aller Touristen, die Pisa besuchen, ist die Piazza dei Miracoli - der Platz der Wunder. Dieser war auch die erste Station auf unserer Toskanarundreise. Jeder, der hier herkommt möchte selbstverständlich den legendären „Schiefen Turm von Pisa“ sehen. Vor der Besichtigung des Platzes steht ein Gang vom Parkplatz hinein in die Altstadt an, die für Autos und Reisebusse gesperrt ist. Auf dem Weg zum Platz der Wunder, wundert sich der gemeine Tourist ansich über die unzähligen Verkaufsstände, die seinen Weg flankieren. Die Händler bieten allerlei Souvenirs und Nippes sowie die schiefen Türme von Pisa in allen Größen und Preisklassen feil. Auch ein Heer fliegender Händler, zumeist aus dem Senegal, versucht sein Glück bei den Touristen. Tücher, Schirme, Ketten, Sonnenbrillen und Uhren – „Bitte lucki, lucki! Alles echt – alles billig!“ Jedoch vor dem Kauf von Plagiaten wird gewarnt, denn dieser ist strafbar und wird von der italienischen Polizei, die den Markt genau beobachtet sofort geahndet.



Angekommen am Tor, durch das man zum Platz der Wunder geht, verschlägt es einem schlichtweg die Sprache. Dort steht es das Ensemble aus weißem Carrara-Marmor mit dem berühmten Turm, der benachbarten Kathedrale, dem Baptisterium und dem Friedhof – ein Weltkulturerbe der UNESCO. Beeindruckend und wunderschön. Ein Meisterwerk, das seine Wirkung auf den Betrachter nicht verfehlt.



Der Turm war als freistehender Glockenturm (Campanile) für den Dom in Pisa geplant. Der 54 Meter hohe und 12 Meter durchmessende Turm besteht aus 14.200 Tonnen weißem Carrara-Marmor und hat sieben Glocken, die aber längere Zeit wegen der Einsturzgefahr nicht läuten durften. Er sollte der Höhepunkt der ganzen Anlage der Piazza dei Miracoli sein. Zwölf Jahre nach der Grundsteinlegung am 9. August 1173, als der Bau bei der 3. Etage angelangt war, begann sich der Turmstumpf wegen eines Grundbruches Richtung Südosten zu neigen.



Daraufhin wurde der Bau für rund 100 Jahre unterbrochen. Die nächsten vier Stockwerke wurden dann schräg gebaut, um die Schieflage auszugleichen. Danach musste der Bau nochmals unterbrochen werden, bis 1372 auch die Glockenstube beendet war. Die Schieflage des Turms beruht auf dem Untergrund aus lehmigem Morast und Sand, der sich unter dem Gewicht verformt. Neuesten Ausgrabungen zu Folge steht er am Rand einer ehemaligen Insel direkt neben einem antiken, zur Bauzeit bereits versandeten Hafenbecken. Die Schieflage des Turms beträgt 3,97 Grad. Der Legende nach hat der aus Pisa stammende Galileo Galilei bei Versuchen auf dem Turm die Fallgesetze entdeckt.




1990 wurde der 14.500 Tonnen schwere Turm für Besucher gesperrt, da die Schräglage zu gefährlich wurde. Die Sanierungsmaßnahmen dauerten 12 Jahre. Der Turm wurde um 44 Zentimeter aufgerichtet. Seit 2001 ist er wieder für Touristen geöffnet.



Beobachtet man die vielen Touristen, so könnte man denken, sie üben sich in chinesischen Turnübungen. Arme werden verrenkt, um sie irgendwie in den Focus der Kamera zu bekommen, so als sähe es aus, man würde den Turm abstützen. Ein echter Fotoklassiker, der nun in meinem Fotoalbum klebt … ;-)