Tour der France

„Das Glück ist wie die Tour de France,
wartet man zu lange, rast es vorbei."

(Filmzitat aus: „Die fabelhafte Welt der Amelie“)



Die Tour de France 2009 ist passé. Die 96. Austragung des dreiwöchigen Etappen-Radrennens dauerte vom 4. bis 26. Juli. Ingesamt wurden 3460 km gefahren. Start war in Monaco. Die Tour endete traditionell in Paris. Gesamtsieger wurde der Spanier Alberto Contador, der die Tour zum zweiten Mal nach 2007 gewann. Die Tour-Veranstalter beklagten auch in diesem Jahr wieder mangelndes Zuschauer- und Medieninteresse. Kein Wunder aufgrund der zahlreichen Dopingskandale in den letzten Jahren. Die Tour de France ist ein großer und fast übermenschlicher Kraftakt, besonders bei den Bergetappen. Bei dem, was die Radsportler hier leisten, drängt sich doch automatisch die Frage auf, wie sie zu solchen Leistungen fähig sind. Nur Material, Können, Training und taktisches Fahren? Wohl kaum…



Mit von der Partie war auch in diesem Jahr wieder die siebenmalige Toursieger Lance Armstrong, der aufgrund von Dopingvorwürfen nach seinem Toursieg im Jahr 2005 vom aktiven Radrennsport zurückgetreten war. Wie Phoenix aus der Asche feierte der 38jährige Amerikaner sein Comeback und wurde prompt Dritter.

Das Comeback von Armstrong erinnerte mich daran, dass wir 2005 in Paris waren, um uns das Spektakel der Tour anzusehen. Meine Freundin ist ein großer Tour-Fan. Eines Tages erzählte sie mir, dass es ein großer Wunsch von ihr sei, einmal eine Etappe live zu sehen. „Lass uns doch zur letzten Etappe nach Paris fliegen", sagte ich zu ihr. "Wir verbinden eine schöne Städtereise mit der Tour und haben sicher viel Spaß.“ Sie war von der Idee begeistert. Spontan haben wir Flug und Hotel gebucht und reisten zur Tour de France...



Am Sonntag, dem letzten Tag der Tour, machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg zur Champs Elysées, um uns einen guten Platz zu sichern. Gegen 10.00 Uhr waren wir da und gleichzeitig von den Socken, da hier bereits "Jubel, Trubel, Heiterkeit" herrschte. Ganz Paris war auf den Beinen und die besten Plätze waren natürlich schon belegt. Viele Zuschauer waren bereits in der Nacht bzw. frühen Morgenstunden gekommen und hatten sich gemütlich eingerichtet. Unzählige Stände mit Getränken und Essen sowie Tour-Merchandising waren aufgebaut. Die altehrwürdige Champs Elysées war wie ein großer bunter Jahrmarkt, denn wir auf uns wirken ließen.



Auf der Suche nach einem geeigneten Platz, schlenderten wir die Prachtstraße hinunter. An der Ecke zur Avenue de Marigny fanden wir einen guten Zuschauerplatz. Hier an der großen Kreuzung mit Blick auf das Grand Palais und den Pont Alexandre III, stand vis–à–vis die große Ehrentribüne, eine riesige Videowand sowie die VIP-Zelte für die Fahrer. Ferner wurde in der Av. de Marigny die Bühne für die Siegerehrung vorbereitet, in aller Seelenruhe versteht sich. Große Hetik gehört nunmal nicht zur französischen Mentalität. "Laisser-faire", die Franzosen lieben - die Deutschen hassen es... Es gab also viel zu sehen, was uns die lange Wartezeit bis zur Ankunft der Radsportler auf angenehme Weise verkürzte.

Es dauerte noch Stunden bis die Tour endlich in Paris ankam. Wir genossen das ganze Drumherum und verfolgten die Live-Übertragung von der Strecke auf der großen Videowand. Zuvor hatten wir uns natürlich mit Tour-Merchandising eingedeckt: Shirt, Tasche und Regenschirm, erstanden wir als preiswertes Tour-Fan-Set.



Als die Bühne für die Siegerehrung fertig dekoriert war, wurde sie zur Probe auf die Champs Elysées gerollt. Bühnenarbeiter jubelten stellvertretend für die späteren Sieger in die Menge, die TV-Sender fokussierten ihre Kameras.

Ungefähr eine Stunde bevor das Peloton in Paris ankam, ging der Karneval auf dem Champs Elysées richtig los. Die Promotioncars bzw. hübsche Modells der Teams heizten die Zuschauer lautstark an. Dann war es endlich soweit. Das Jubelgeschrei der Zuschauer fing auf dem Place de la Concorde an und wogte wie eine Welle dem Fahrerfeld hinterher. Dieses rauschte an uns vorbei, bis zur Wendeschleife am Arc de Triomphe und wieder zurück. Der Jubel der begeisterten Zuschauer war schier grenzenlos und auch wir jubelten und beklatschten "unseren" deutschen Fahrer Jan Ullrich.



Das eigentliche Live-Radrennen nahmen wir nur in Bruchteilen von Sekunden wahr, denn die Fahrer sind unglaublich schnell und fliegen nur so vorbei. Unseren Zuschauerplatz hatten wir wirklich gut gewählt, denn wir waren sehr dicht dran am Geschehen, an den Siegern und an der Siegerehrung. Es war absolut ein tolles Erlebnis, die Schlussspurts der Tour de France 2005 in Paris zu sehen, nicht nur für meine Freundin, sondern auch für mich, wenngleich mich der Radsport im Allgemeinen nicht so sehr interessiert, wohl aber Paris - Jeder Anlass ist willkommen, um meiner Lieblingstadt einen Besuch abzustatten...