
Mutters Puffer sind die Besten - aber wenn die Kartoffel nicht schmeckt…
Mutter gilt in unserer Familie als die deutsche Kartoffel-Expertin und Meisterin im Backen von Kartoffelpuffern. Kartoffelpuffer sind sozusagen das Grundnahrungsmittel in unserer Familie. Alle Kinder und Großkinder sind damit aufgewachsen. Auch in schlechten Zeiten, wenn das Geld mal knapp war, langte es immer für Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Kartoffeln und ein Ei waren immer vorrätig und auch ein Becher Rama. Keine andere Margarine oder gar Öl kommen in die Pfanne, es muss Rama sein! Es kommt auch kein Mehl in den Pufferteig und schon gar keine Zwiebel. Gewürzt wird nur mit Salz.
Die Kartoffelpuffer unserer Mutter sind wirklich unübertroffen und so weiß die ganze Familie ein Loblied darauf zu singen. Wenn wir Appetit auf Puffer haben, genügt ein Anruf und schon steht die Pfanne auf dem Herd. Würde man die Kartoffelpuffer, die unsere Mutter in ihrem Leben gebacken hat aneinanderreihen, ergäbe das bestimmt eine Weltumrundung. Wir, die Kartoffelpufferesser, haben und hatten noch nie etwas an Mutters Kartoffelpuffern zu mäkeln oder gar daran auszusetzen. Im Gegenteil, wir stürzen uns auf die pfannenfrischen Puffer, sind verrückt darauf und mampfen sie genüsslich auf bis wir nicht mehr können. Die Kartoffelpufferaktionen wären fast "Ein perfektes Dinner", wenn da nicht immer die Selbstzweifel unserer Mutter wären und der damit verbundene Dialog, der zum Kartoffelpufferessen dazu gehört wie das selbst gemachte Apfelmus…
"Na wie sind die Puffer?"
"Hmmm, lecker wie immer!"
"Genug gesalzen?"
"Ja, alles bestens."
"Ich habe heute keinen richtigen Geschmack, vielleicht hätte ich doch etwas mehr..."
"Nein, es ist gut so. Die Puffer schmecken prima."
"Sind sie schön locker?"
"Bestens! - Wirklich super!"
"Habe heute extra vier Eier…"

An dieser Stelle sei zum besseren Verständnis angemerkt, dass unsere Mutter nie einen Satz zu Ende spricht. Sie geht davon aus, dass wir uns den Rest selber denken können… Wenn wir den Satz dann für sie weitersprechen oder gar nachfragen z. B.: „Was ist denn mit den Eiern?“, ist sie völlig konsterniert… Kurz zur Erklärung: Sie hat vier Eier in den Pufferteig gegeben, damit die Puffer schön locker sind und wir wirklich die allerbesten Puffer auf den Teller bekommen...
"Also die Kartoffeln…"
"Ja, was ist damit?"
An dieser Stelle unterscheiden wir dann nach den Jahreszeiten, denn bei den „Winterkartoffeln“ verläuft der Dialog etwas anders, als bei den „Frühjahrskartoffeln“…
"Sie sind schon zu alt (Winter). Ich habe…"
"Ich merke nichts. Was hast du?"
"Ich habe wieder viel zu viel ge… Nein also wirklich, dass sind die letzten… Es geht nicht… Na ja, lecker sind sie ja, aber es liegt an der Kartoffel, da kannste nichts…"
"Was ist mit den Kartoffeln?"
"Na sie sind schon zu alt und die neuen, nein die neuen…
Aber salzig genug sind sie? Guck mal wie langsam das wieder…"
Und dann folgt die Geschichte mit dem Herd… Denn immer um die Mittagszeit, nämlich dann wenn ganz Deutschland am Herd steht und kocht, hat das Auswirkungen auf den Herd unserer Mutter. Denn - so ihre Logik: „Wenn so viele Menschen gleichzeitig kochen, wird der Strom knapp! Es ist wie in den Nachkriegsjahren. Da gab es auch Stromsperren!“
Wenn wir antworten, dass es so etwas in der heutigen Zeit nicht mehr gibt, lässt sie unsere Argumente nicht gelten. Und wenn wir mutmaßen, dass der Herd vielleicht einen Defekt habe, winkt sie ab. Ein Elektriker zum Prüfen des Herdes kommt ihr nicht ins Haus! Der Strom wird mittags knapp wenn alle kochen und Schluss…
"Also nee, wenn ich früher Kartoffeln gerieben habe, dann blieb der Teig … Nun schau, dir mal an, wie … Ich sage ja die neuen Kartoffeln…“
Und nun beginnt die Kartoffelpuffer-Frühjahrsversion…
"Ja?" ..
"Die Winterkartoffeln waren… Stell dir vor, ich musste ausländische Kartoffeln … Im „Real“ hatten sie… Und die Rita, die wollte…"
"Was wollte die Rita?"
"Na du weißt schon…"
"Nein, weiß ich nicht!"
"Sie hatte keine Lust auf den Markt… Da hätte ich doch… Stell, dir vor das sind ägyptische Kartoffeln!!!"
"Ach, darum ist der Teig so dunkel?"
Den kleinen Scherz bemerkt sie nicht. Entsetzt fragt sie vorwurfsvoll nach:
„Sie schmecken dir also doch nicht?!!!"
"Doch sie schmecken suuuuper, aber ich kann nicht mehr."
„Aber ich habe doch noch so viel… Was soll ich jetzt damit machen? …
Fazit unserer Mutter, nach der Kartoffelpufferschlacht:
"Ich sage es ja immer, wenn die Kartoffel nicht schmeckt, dann schmeckt das ganze Essen nicht!"...