
(Megs Garden, 2009)
Die Hortensie, botanisch Hydrangea, wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Ostasien nach Europa gebracht. Die Hortensie, war als typische Schmuckpflanze alter Bauerngärten etwas aus der Mode gekommen, doch in den letzten Jahren erlebte diese Blume eine richtiggehende Renaissance. Die Hortensie besticht durch ihre üppige Schönheit und ihre großen Blütenköpfe, die von Natur aus weiß oder rosa sind. Die blaue Farbe der Hortensien ist künstlich und kommt dadurch zustande, dass ein saurer, aluminiumhaltiger Dünger benutzt wird bzw. die Hortensien in saure Böden mit einem pH-Wert unter 5,5 gepflanzt werden. Angeblich sollen auch rostige Nägel, die man ins Gießwasser legt, die Blau-Mutation erzielen. In der traumhaft schönen Landschaft der Bretagne, lässt das milde Klima des Golfstroms die Hortensien üppig gedeihen. Die Hortensien prägen das Bild der Bretagne und unterstreichen den Charkater dieser einzigartigen Küstenlandschaft. Aber auch in den heimischen Gärten gedeiht die anspruchslose Blume prächtig. Und nur mal so nebenbei bemerkt: Die Hortensie ist meine Lieblingsblume! Rainer Maria Rilke und Elli Michler widmeten der Hortensie Gedichte...
Hortensien in der Bretagne
Dort, wo die Felsen bretonischer Küsten
aus mächtigem rosa Granit
die Strände beherrschen an schimmernden Buchten,
wo auf stürmischen Winden nach alten Legenden
einstmals die Geisterschar ritt,
wo von Ginster bewachsene grünende Kuppen
die Landschaft beleben mit Schatten und Licht,
zwischen Kirchen, Kapellen und Kreuzigungs-Gruppen
erblühn sie an Sträuchern üppig und dicht:
die schönen Hortensien -
und wissen es nicht,
dass sie den grauen, verfallenen Mauern,
dem von Vergangenheit redenden Stein
einen seltenen Charme
und lebendige Schönheit verleihn,
dass sie dem fremden Betrachtern
der steinernen Leidengestalten,
die auf düsteren Sockeln
zu Füßen der Kreusze stehn,
ihr blühenden Leben entgegenhalten,
damit die, die auf Reisen
nicht nur das Bildende sehn,
sondern auch das, was uns Blumen verheißen,
getröstet von dannen gehen.
(Elli Michler)

Rosa Hortensie
Wer nahm das Rosa an? Wer wusste auch,
dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.
Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft?
Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß.
(Rainer Maria Rilke)

Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rau,
hinter den Blütendolden,die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau.
Verwaschnes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuern
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
(Rainer Maria Rilke)