Die Italiener behaupten sie waren es! Zu Recht gelten die Italiener mit ihren leckeren Pastagerichten als die Nudelspezialisten schlechthin. Teilweise wird behauptet Marco Polo habe die Nudeln aus China mitgebracht. Man geht auch davon aus, dass das Verfahren zur Nudelherstellung in Südeuropa und Ostasien unabhängig voneinander entwickelt wurde. Dabei wird darauf verwiesen, dass es bereits seit der griechischen Antike Nudelgerichte gibt. In etruskischen Gräbern fanden Archäologen Abbildungen von Geräten zur Nudelherstellung.
In China überzeugte man uns davon, dass es die wirklich die Chinesen waren, die die Nudeln erfunden haben. In Xi’an nahmen wir an einem Jiaozi–Bankett teil und probierten viele Sorten der köstlich gefüllten Nudeln, die der deutschen Maultasche ähneln und als Vorfahren der Ravioli gelten.
Die Füllung der Jiaozi besteht in der Regel aus Gemüse und Fleisch, Lachs oder Garnelen. Teilweise wird Ei in die Füllung gegeben, um dieser einen besseren Zusammenhalt zu geben. Gewürzt werden kann die Füllung mit Salz und fein gehacktem Ingwer. Die Teigtaschen werden in Bambuskörben gegart und serviert. Die gekochten Jiaozi werden vor dem Verzehr in ein Gemisch aus Essig, Sojasoße, Chili getunkt. Jiaozi gibt es in verschiedenen Größen. Die allerkleinste ist etwa so groß wie eine Erdnuss. Die Nudeln werden von Hand hergestellt. Um die winzigkleine Jiaozi herzustellen und sie zu füllen, bedarf es allergrößter Geschicklichkeit. Man berichtete uns, dass die Frauen bei der Herstellung der Mini-Jiaozi mit Zahnstochern arbeiten.
Manche Chinesen vergleichen die chinesische Seele mit den Jiaozi: nach außen einfach, nach innen vielfältig. Jiaozi werden zu Hause von der ganzen Familie gemeinsam geknetet, ausgerollt und gefüllt. Deshalb isst man einem Spruch zufolge Jiaozi zur Begrüßung und Nudeln zum Abschied, denn die langen Nudeln symbolisieren die Verbundenheit nach der Trennung.

Eine Legende erzählt, dass vor 2.600 Jahren in Nordchina der berühmte Arzt Bian Que lebte. Zu der Zeit hatten viele arme Leute keine warme Kleidung zur Verfügung, um die kalten, nordchinesischen Winter zu überstehen. Einige der Armen froren sich Körperteile, insbesondere ihre Ohren, ab. Nach eingehender Untersuchung kam Bian Que zu dem Schluss, dass die Leute deshalb so oft erfrorene Ohren hatten, weil die Ohren nur dünne Adern und keine dicke Fettschicht haben. Nach der Legende gab er den Leuten einige Kräuter, um die Frostbeulen zu behandeln. Die Kräuter waren lose allerdings schwer zu kochen. Bian Que füllte deshalb die Heilkräuter bevor er sie den Leuten gab in kleine Nudelteigtaschen. Die kleinen und mit Kräutern gefüllten Nudelteigtaschen konnten sie dann zu Hause recht einfach zubereiten und verzehren.
Mit der Zeit entwickelte sich die Wirtschaft, so dass es heutzutage nur noch selten an Geld für warme Kleidung mangelt. Zum Gedenken an den Arzt Bian Que füllen die Leute jedoch auch heute noch in jedem Winter Hackfleisch oder Gemüse in halbmondförmige Nudelteigtaschen um sie zuzubereiten und zu verzehren.
Wenn man mich heute fragt, wer die Nudel erfunden, würde ich ganz klar antworten: "Die Chinesen natürlich." Das Jiaozi-Bankett hat mich überzeugt, denn die Teigtaschen waren hmmmmmm superlecker!…