
zu bemessen der Sonne Hast,
suchend das glückliche Land im Süd,
wo der Reisende findet Rast.
William Blake (1757-1827)

Sonnenblume - Die Blume der Indianer
Aufgrund ihrer Größe und leuchtend gelben Farbe ist imposante Sonnenblume der Inbegriff für Sommer, Sonne und Licht. In der Blumensprache steht die Sonnenblume für die Charakteristika: Stolz und Hochmut, damit verbunden eine reife Individualität sowie persönliche Kraft und Ausstrahlung. Stolz, so könnte man meinen, hält die Sonnenblume darum auch stets ihr schönes Anlitz in die Sonne, denn sie richtet ihren Blütenkopf auf das Tageslicht aus und folgt dem Lauf der Sonne. Die Sonnenblume machte es vor und Friedrich Nietzsche hat es aufgeschrieben:
„Du sollst dich der Sonnen zuwenden, nicht dem Schatten.“
Die Sonnenblume kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, denn es ist erwiesen, dass man bereits 3000 Jahre vor Christi Geburt Sonnenblumenkerne in Arizona und Neu-Mexiko fand. Die Urheimat liegt also in der nördlichen Hälfte des amerikanischen Kontinents. Die indianische Bevölkerung verwendete die Sonnenblumenkerne bereits als Nahrungsmittel. Zuerst wurden die Kerne nur roh gegessen, doch schon bald gewann man Mehl zur Brot- und Fladenbereitung sowie Sonnenblumenöl. Außerdem fanden die Sonnenblume und ihre Produkte auch in der Medizin, in der Kosmetik und bei den religiösen Zeremonien der Indianer Verwendung. Durch die Seefahrt und das Zeitalter der Entdeckungen gelangte die "Sonnenkrone", oft auch als "Indianische Goldblume" bezeichnet, am Beginn der Neuzeit nach Europa. Ende des 16. Jahrhunderts schmückte die Sonnenblume schon viele Gärten in Frankreich, England, Belgien, der Schweiz, Italien und Deutschland. Anfang des 17. Jahrhunderts nützten Bäcker und Konditoren die Kerne der Sonnenblume als geschmackliche Bereicherung ihrer Produkte, mancherorts dienten sie auch als Kaffee-Ersatz. Bereits im Jahre 1716 erfand ein Engländer namens Bunyan eine Methode zur "Ölgewinnung aus der Sonnenblume". Dieses Öl diente als nützlicher Rohstoff für die Lederverarbeitung, die Weberei und die Malerei. Leider wurde diese Erfindung vergessen. Erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts startete Russland erneut erste Ölgewinnungsversuche. Der Anbau der Sonnenblume zur Ölgewinnung dehnte sich Ende des 19. Jahrhunderts auf die angrenzenden Balkanländer und zum Teil auch auf Nordeuropa aus. Heute ist die Sonnenblume weltweit verbreitet.

In der Malerei hat der niederländische Maler Vincent van Gogh dafür gesorgt, dass die Sonnenblumen Weltruhm erlangten: 1888 zog van Gogh nach Arles in die Provence. Dort entstanden seine insgesamt sieben Sonneblumenbilder. Ursprünglich hatte van Gogh die Sonnenblumen als sommerlichen Gruß für einen Freund gemalt. Sein Bild, das als eine hübsche Nettigkeit für den Freund gedacht war, wurde zum Bild der Bilder. Van Goghs Bilder wurden auf der Ausstellung des "Cercle des Vingts" im November 1889 in Brüssel erstmals gezeigt. Sie wurden zwar freundlich aufgenommen, änderten aber nichts an der Armut des Künstlers, der zu seinen Lebzeiten verkannt wurde. 100 Jahre nach dieser Ausstellung wurde eines seiner Sonnenblumenbilder vom Londoner Auktionshaus Christie´s für rd. 35 Millionen Euro verkauft.