Von den über 1000 Stabkirchen in Norwegen sind heute nur noch 28, bzw. 29 erhalten. (Je nachdem, ob man der Neubau der Kirche Fantoft dazuzählen will.) Die Kirche Borgund gilt neben der von Heddal als besterhaltene Stabkirche und sie ist in den meisten Teilen im Original erhalten.Die Stabkirche wurde erstmals 1342 in schriftlichen Quellen erwähnt, wahrscheinlich stammt sie aber aus der Zeit gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Holz, mit dem die Kirche gebaut wurde, im Winter 1180/81 gefällt wurde.
Archäologische Untersuchungen wurden 1969 und 1985 durchgeführt. Unter dem Boden der Kirche fand man Spuren eines älteren Gebäudes, das an dieser Stelle stand. Sie wurde nach 1181 erbaut und zählt zu den ältesten Holzbauten Europas. Sie ist dem Apostel Andreas geweiht.
Die Stabkirchen von Norwegen gelten als Übergangswerk vom heidnischen zum christlichen Glauben. Die Kirche Borgund wurde in einer Zeit gebaut, als die heidnische Religion noch bei den Bauern sehr präsent war. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass die Sammlung Edda von mystischen und religiösen Liedern aus der nordischen Sagenwelt ca. 40 Jahre nach dem Bau der Kirche Borgund im Jahr 1220 niedergeschrieben worden ist.
Auch Runeninschriften auf dem Bauholz der Kirche zeugen von einem Synkretismus. Eine dieser Inschriften lautet: „Ich ritt hier vorbei am St. Olavstag. Die Nornen taten mir viel Böses, als ich vorbeiritt.“ Der St. Olavstag ist der Gedenktag des Todes von dem heilig gesprochenen Olav II. Haraldsson am 29. Juli. Die Nornen sind Schicksalsgöttinnen aus der alten heidnischen Religion. Die Christianisierung wurde mit Gewalt von Olaf Tryggvason gegen Ende des 10. Jahrhunderts in Norwegen eingeführt. Obwohl viele Kleinkönige sich dem neuen Glauben unterworfen, leisteten vor allem die Bauern dagegen Widerstand. Der christliche Glaube wurde erst mit der Zeit in einer ca. 200 Jahre anhaltenden Übergangsphase aufgenommen und deshalb hat die Kirche sehr viele synkretistische Elemente. Man findet an der Kirche weniger Elemente der Götterwelt des Nordens, sondern mehr alte animistische Vorstellungen, wie Schutzzauber gegenüber bösen Geistern und sonstige magische Symbolik. Z. B. sieht man das an der häufigen Widerholung des christlichen Kreuzes auf den Giebeln und Spitzen der Dächer. Die nach Osten und Westen angeordneten Drachenköpfe haben die selbe Bedeutung wie Wasserspeier an Kirchengebäuden der Romanik bis Renaissance. Und zwar sollen sie durch ihr schreckliches Äußeres gleichartige böse Kräfte fernhalten.
Die Architektur hat seine Grundzüge im Schiffbau, welcher ebenfalls in der mystischen Vorstellung der damaligen Zeit eine starke Bedeutung spielte. Da die Wikinger ein sehr ausgeprägtes Schiffswesen betrieben, gaben sie dem Schiff eine religiöse Bedeutung. Es war Symbol für die göttliche Gabe nach der Unterwerfung des Feuers für die Unterwerfung des Elements Wasser durch den Menschen. Ähnlich wie in der ägyptischen Mythologie bekam das Schiff als Transportmittel das Symbol des Übergangs der Seelen in das Jenseits. Die Stabkirche in Borgund hat deshalb die Elemente des Schiffbaus als religiöse, heidnische Symbolik übernommen. Im Gegensatz zu Blockhäusern, welche das verbaute Holz horizontal ausrichten, werden Stabkirchen auf Masten (ähnlich Schiffsmasten) aufgebaut und das sonstige Bauholz wird vertikal verbaut.
Die Drachen auf den Giebeln sind den Drachen auf den Wikingerschiffen nachempfunden. Der Vertikalbau inkl. offenen Dachstock hat symbolischen Charakter. Er zeigt die Verbindung zu Gott und ebenso würdigt er die natürliche vertikale Wachstumsrichtung des Holzes. Die besondere Gestaltung der Kirche führte dazu, dass eine ganze Gruppe von Stabkirchen, die nach diesem Muster gebaut wurden, zum so genannten Borgund-Typ gezählt werden. Die Kirche ist eine Zwölfmastkirche. Das Satteldach des erhöhten Hauptschiffs wird also durch zwölf Masten getragen, welche in einem steinernen Fundament eingelassen wurden. Im Osten schließt sich ein Chorraum an, der eine halbrunde Apsis besitzt. Um das Hauptschiff herum gibt es ein Seitenschiff. Anders als bei einer klassischen Aufteilung eines Kirchenraumes in Haupt- und Seitenschiff muss dieser Gesamtraum aber als Zentralbau angesehen werden, denn nur in den Seitenschiffen standen früher Bänke und der Chorraum ist innerlich wie äußerlich deutlich vom Zentralbau abgetrennt.Um die Kirche (einschließlich Chorraum) verläuft der so genannte Svalgang, ein überdachter Umgang, in denen sich die Menschen nach den Gottesdiensten versammeln konnten und in dem in früheren Zeiten die Waffen vor Betreten der Kirche niedergelegt wurden. Den Svalgang sowie die Seitenschiffe überdecken Pultdächer.
Der Svalgang war nicht nur als Aufenthaltsraum gedacht, sondern schützt das Gebäude zusätzlich von Regen und Schnee. Gleichzeitig sind sie wichtige Stützen für die Pultdächer. Spätere Kirchen wie die Stabkirche Lom oder die Stabkirche Ringebu haben den Svalgang nicht mehr, da die späteren Generationen diesen scheinbar nicht mehr gebraucht haben. Das Weglassen dieses Ganges führte aber zwangsläufig zu einer architektonischen Änderung, wo die Dachkonstruktion ihre Basis verlor und dadurch nicht mehr die gleiche Höhenwirkung durch vielfache mehrstufige Konstruktionen erzielt werden konnte. Der mehrstufige Aufbau mit immer kleiner werdenden Proportionen erzeugt eine zusätzliche Höhenwirkung, welche auch in der Kulissentechnik unter dem Begriff Erzwungene Perspektive angewandt wird und z. B. auch beim Cinderella's Castle im Disneyland angewandt wurde.
Die Stabkirche hat einen sechsstufigen Aufbau. Das Hauptschiff sowie der rechteckige Chorraum werden von Giebeldächern bedeckt. Über dem Dach des Hauptschiffes sitzen drei weitere kleinere Giebeldächer, die in einem spitzen Türmchen mit Wetterfahne enden. An den Giebelecken dieser Dächer recken sich Drachenköpfe gegen den Himmel, die (in heidnischer Tradition) der Kirche symbolisch Schutz verleihen. 1738 wurden Teile des Dachfirstes, die Drachenköpfe und andere Teile der Dachdekoration ausgetauscht. Ein originaler Drachenkopf aus dem Mittelalter wurde allerdings aufgehoben. Die Giebelecken der Seitenschiffe und die kleinen Giebel des Svalgangs zieren dagegen Kreuze, die in ihrer Vielzahl als magische Schutzzeichen angesehen werden können.
Die Dächer sind mit Holzschindeln bedeckt, die mit Holznägeln befestigt sind. Wahrscheinlich stammen einige Holzschindeln noch aus dem Mittelalter. Metall wurde aus Rohstoffmangel nur bei den Türen (Schlösser und Scharniere) verwendet. Es gibt ein westliches und ein südliches Portal, die beide mit Archivolten eingefasst, von Halbsäulen flankiert und mit Tierornamenten und Blattranken geschmückt sind. Das südliche Portal, das etwas bescheidender als das westliche geschmückt ist, hat geschnitzte Löwen auf den Kapitellen.
Das Westportal zeigt neben Rankenmotiven kämpfende, drachenähnliche Tiere. Der Eingang zur Kirche am Westportal hat eine so genannte Geisterschwelle, die geographisch sehr verbreitet in mittelalterlichen europäischen Gebäuden bis zu chinesischen Tempelanlagen vorkommen können. Sie ist eine, im Verhältnis zu einem Schritt eines erwachsenen Menschen, relativ hohe Stufe, welche so verhindern soll, dass böse Geister das Gebäude betreten können. Aus demselben Grund wird der Eingang möglichst schmal angelegt und mit magischen Schnitzereien verziert.
Das Westportal zeigt gewisse Einflüsse der Steinarchitektur jener Zeit, denn die Pfeiler rechts und links neben dem Portal haben die Formen von Säulen mit Basis und Kapitell. Das Portal mit seinem Rundbogen ist reich verziert. Der Chorraum besitzt ebenfalls ein Portal nach Süden, das jedoch stark beschädigt ist. Das Dach des Chorraumes ist kegelförmig und hat einen kurzen Turm mit einem kegelförmigen Dach und einem Kreuz (analog zu den Portalen).
Der mittelalterliche Innenraum ist gut erhalten und unberührt. Die mittelalterliche Chorschranke ist jedoch nach der Reformation entfernt worden. Der mittelalterliche Holzfußboden und die Sitzbänke entlang der Wände sind teilweise bewahrt. Auch der mittelalterliche Steinaltar und ein Taufbecken aus Speckstein sind erhalten. Die Kanzel ist aus der Zeit von 1550-1570, die Altartafel von 1654, während der Rahmen um das Altarbild aus dem Jahr 1620 stammt. Die Malerei auf dem Bild zeigt in der Mitte die Kreuzigung, flankiert von der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer. Im Tympanonfeld schwebt eine weiße Taube auf blauem Grund. Unter dem Bild gibt es eine goldene Inschrift auf schwarzem Grund. Des weiteren gibt es in der Kirche einen Tabernakel aus der Zeit von 1550-1570. An der Südwand im Kirchenschiff befinden sich noch die Einweihungskreuze (Konsekrationskreuze) an der Innenseite. Die Innenseiten des Chores tragen eingeritzte Figuren und Runen, die vermutlich aus dem Mittelalter stammen. Die Dachkonstruktion wird durch Holzsäulen getragen, die untereinander durch Andreaskreuze abgestützt werden. An den Säulenenden befinden sich geschnitzte Masken von Menschen und Fabelwesen.