
China - ein beeindruckendes Land voller Kontraste. Manchmal wenn ich an meine Zeit in China denke, muss ich mir im Nachhinein begreiflich machen, dass ich wirklich dort war. Dieses Land ist unbeschreiblich. Flaniert man durch den Kaiserpalast oder den Sommerpalast der Kaiserinwitwe Cixi in Peking, zieht es einen unweigerlich in den Bann der Geschichte. Man versinkt in einer anderen Welt und träumt davon, wie es wohl wäre, selbst einmal Kaiserin von China zu sein...
Im Sommerpalast der Kaiserinwitwe Cixi ist man bestens darauf vorbereitet, diese Träume zu verwirklichen. Und so sagte ich dann auch nicht nein, als man mir emsig ein Fotoshooting für nur 20 Yuan, umgerechnet rd. 2,- € offerierte. Es bedurfte lediglich ein kurzes Nicken meinerseits und schon stülpten mir zwei eifrige Chinesinnen einen Seidenmantel über und drapierten den Kaiserinnen-Kopfschmuck auf meinem Haupte. Sie wiesen mir meinen Platz auf dem kaiserlichen Thron an und arrangierten meine „kaiserlicher Haltung“…
Was folgte war ein kurzes Klicken mittels einer sehr altersschwachen Polaroid. Die Qualität des Fotos ließ sehr zu wünschen übrig. Aber vielleicht war der vergilbte Effekt ja auch künstlerisch beabsichtigt, um die Aufnahme auf historisch zu trimmen. Auf jeden Fall ist es ein schönes Souvenir. Jedoch so schnell wie der Kaiserinnenzauber über mich gekommen war, war er auch schon wieder vorbei. Weitere Thronanwärterinnen aus Europa und den USA warteten bereits auf ihre Krönung...

Äußerst angetan vom Gefühl als Kaiserin von China auf dem Thron gesessen zu haben und noch mehr angetan von diesem wunderschönen Gebilde auf meinem Haupte, erwarb ich sofort eine kleinere Ausführung der vermeidlichen „Kaiserinnenkrone“ für daheim, damit ich mich dann und wann auch in heimischen Gefilden wie die „Kaiserin von China“ fühlen kann. Bei der weiteren Besichtigung des Sommerpalastes, trug ich dann stolz den erworbenen Schmuck mit orangefarbener Rosette weiter auf meinem Haupte. Dieses zur großen Belustigung der chinesischen Touristen, die mir entlang meines Weges begegneten, mich ehrfürchtig grüßten, herzlich lachten und nun ihrerseits eifrig auf die Auslöser ihrer Kameras drückten, um diese Fatahmorgana festzuhalten. Auch unser chinesischer Gästeführer verfiel in lautes Lachen, als er mich sah. Als ich sagte, dass ich den Kopfschmuck der Kaiserin von China trage, nahm er mir ganz schnell die Illusion, denn er erklärte mir, dass diese Ausführung des Kopfschmuckes leider nur das Erkennungszeichen der „kaiserlichen Konkubinen“ war…
© by Meg