The royal bed


Mit einer guten Freundin gemeinsam auf Reisen zu gehen, ist eine feine Sache. Jedoch muss unbedingt die Chemie untereinander stimmen. Ist das nicht der Fall, kann eine gemeinsame Reise ganz schnell in Stress, eventuell sogar in einen bösen Streit ausarten… Im letzten Winter planten meine Freundin und ich aufgrund der guten Reise-Erfahrungen, die wir miteinander gemacht hatten, unsere nächste Reise. Diesmal sollte die Reise nach Südengland gehen, die mittlerweile rückwirkend betrachtet, ein absolutes Highlight für uns war… Und … wir sind uns noch näher gekommen - näher als geplant und näher als jemals gedacht….

Wenn man 24 Stunden zusammen ist, die Tage und auch die Nächte zusammen verbringt, dann lernt man sehr schnell die Gewohnheiten des Anderen kennen. Wir haben viele gemeinsame Interessen, jedoch was uns total unterscheidet, sind unsere Schlafgewohnheiten: Ich bin der Typ „Eule“, kann bis in die Puppen aufbleiben und finde dann natürlich morgens nicht aus dem Bett. Sie ist der Typ „Lerche“, der abends todmüde von der Stange fällt, tief und fest schläft und dann natürlich schon im Morgengrauen anfängt, herumzuzwitschern... Jedoch, das muss ich meiner Freundin zugute halten, sie "zwitschert" stets sehr leise , immer darum bemüht, mich nicht aufzuwecken…

In sieben von insgesamt acht gemeinsam verbrachten Nächten auf unserer Südengland-Tour verliefen unsere gemeinsamen Nächte wirklich bestens, denn in unseren verschiedenen Hotelzimmern hatten wir stets getrennte Betten. Ich nahm immer das Bett am Fenster und sie das andere. Alles kein Problem bis zum letzten Hotel auf unserer Reise: Wir betraten das Zimmer, sahen uns um - uns stockte der Atmen: „Nur ein Bett!“
Zwar ein sehr großes und: „Mist auch nur eine Decke!“
Die Decke war eigentlich auch nicht das Problem, denn es war an diesem Tage irre heiß und die stickige Luft im Hotelzimmer war kaum auszuhalten:
„Wir werden uns sowieso kaum zudecken“ war unsere einhellige Meinung, nachdem wir lange überlegt hatten, ob wir versuchen sollten, ein anderes Zimmer mit getrennten Betten zu bekommen. „Wird schon gehen, ist ja nur für eine Nacht!“, sagte meine Freundin.

Wie bereits erwähnt, war es irre warm in dem Zimmer und es gab keine Klimaanlage, dafür hatte man aber netterweise einen großen Standventilator im Zimmer aufgebaut, den wir sofort in Betrieb nahmen. Die Fenster im Zimmer ließen sich nur einen Spalt breit öffnen und so freuten wir uns buchstäblich „wie Bolle“ darauf, gemeinsam im großen Doppelbett zu schwitzen:
„Ich hoffe, dass du ruhig liegst!“ raunte mir meine Freundin als Gute-Nacht-Gruß zu.
„Ich kann das nicht ab, wenn du dich ständig umdrehst und so unruhig bist. Und zieh mir ja nicht das Laken weg!“…
„Okay“, sagte ich und nahm sofort die Position einer auf dem Rücken liegenden Marmorstatue ein. Ich bewegte mich keinen Zentimeter, starrte an die Decke und hoffte, dass mich der Schlaf endlich übermannen würde…

Die Lerche neben mir, flatterte derweil schon über duftende Frühlingswiesen und zwitscherte leise pustend vor sich hin. In ihren Träumen mutierte sie dann wohl zu einer Raupe, wobei ihr unser Doppel-Laken als Kokon diente. Mindestens dreimal hatte sie sich das Laken um ihren Körper gewunden, so fest, dass ich nicht den Hauch einer Chance hatte, auch noch einen winzigen Zipfel abzubekommen. So viel zum Laken! Ich lag also weiter da, lauschte ihrem süßen Gezwitscher und starrte an die Decke, immer noch in der Hoffnung, endlich in den Schlaf zu finden…

Letztendlich wurde es mir zu bunt und ich beschloss, mir mitten in der Nacht ein neues Ruhelager zu bauen. Es gab ja schließlich noch ein Sofa in unserem Zimmer… Ich stand auf, tappte durch das dunkle Zimmer und schmiss die losen Rückenkissen auf den Boden. Dann ging ich ins Bad, um mir zwei Badehandtücher zu holen. Das eine legte ich auf das Sofa als Unterlage, das andere diente mir als spärliche Zudecke. Das Kopfkissen wurde zusammen gebufft und nun wollte auch die Eule endlich ein Auge zumachen.

Ich bin zwar nicht sehr groß, dennoch war das Zweisitzer-Sofa selbst für mich zu kurz. Das Ende meiner „Revue-Beine“ hing krumm und schief über der Sofalehne und viel zu schmal war mein neues Nachtlager auch. Also nahm ich wieder die Position einer auf dem Rücken liegenden Marmorstatue ein und starrte mittlerweile „putzmunter“ auf den anderen Teil der Zimmerdecke…

Der frühe Morgen brach an und wie bereits gewohnt, erwachte meine Zimmerlerche noch bevor der Hahn krähte. Sie erschrak heftig als mich auf dem Sofa liegen sah und sie erschrak noch mehr, als ich ihr mürrisch zuposaunte:
„Na haste gut geschlafen?" - Sie antwortete mit einem leisen:
"Ja, ich habe sehr gut geschlafen."
"Das habe wich wohl gemerkt", ranzte ich zurück.

Die Angelegenheit war ihr sehr peinlich. Diskret verschwand sie im Bad und ich nutze die Chance, wenigstens noch zwei Stunden, meine lahmen Flügel im großen Doppelbett ausstrecken zu können. Kaum lag ich im Bett, war ich auch schon fest eingeschlafen. Meine Freundin hatte großes Mitleid mit mir und war an diesem Morgen besonders leise, um mich nicht aufzuwecken. Als sie im Bad fertig war, verließ wie gewohnt das Zimmer, um einen Morgenspaziergang zu machen. Und weil sie mir noch eine Wohltat in Form von Kühlung und frischer Luft in dem stickigen Zimmer angedeihen lassen wollte, schaltete sie beim Hinausgehen aus dem Zimmer den großen Standventilator ein…

Zuerst merkte ich nichts davon, da dieses Monster erst langsam auf Touren kam. Aber dann wurde es immer lauter und lauter, so dass ich vor Wut hätte laut schreien können… Wütend stülpte ich mir das Kopfkissen über die Ohren und versuchte noch ein wenig zu schlafen... Ich war wie gerädert, sämtliche Knochen taten mir weh, aufgrund meines mehr als unbequemen Nachtlagers und ich wurde von Minute zu Minute noch mürrischer… Reglos und nicht im Stande aufzustehen, um den blöden Ventilator wieder auszumachen, blieb ich auf dem Bett liegen und starrte letztendlich wieder an die Decke…

Gut gelaunt und voller Inbrunst, eine Wiedergutmachung an mir zelebriert zu haben, kam meine Freundin zwei Stunden später wieder zurück. Sie hatte zwischenzeitlich auch schon gefrühstückt und wollte schauen, ob ich denn wohl schon wach sei:
„Es ist Zeit zum Aufstehen!“, zwitscherte meine Lerche.
Mit dem Empfang, den ich bot, hatte sie wohl nicht gerechnet, denn ich war sauer – wirklich stinksauer:
„Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, den Ventilator anzuschalten?“
Meine Lerche verstand die Welt nicht mehr uns stammelte völlig konsterniert:
„Ich wollte dir doch nur eine Freude machen. Ich habe es doch nur gut mit dir gemeint!“
Ja ja, sie wollte mir doch nur eine Freude machen und mir Ruhe, Schlaf und eine Abkühlung verschaffen...
„Tolle Idee!“, maulte ich rum und verschwand ohne weitere Worte im Bad.

Schlecht gelaunt und vor allem todmüde musste ich dann die lange Busrückreise von Dover, durch den Kanaltunnel bis nach Braunschweig überstehen... Frankreich hatte ich völlig verpennt, in Belgien schleppte ich mich im Halbschlaf auf die Toilette der Raststätte, in den Niederlanden träumte ich von Frau Antje und ihrem Käse aus Holland... Kurz vor der deutschen Grenze versank in den Tiefschlaf. Mein schweres Haupt taumelte von der einen zu anderen Seite...

Auf der Rückreise sprachen wir kaum ein Wort miteinander. Aber auch ohne Worte kümmerte sich meine Freundin wirklich rührend um mich. In meinen kurzen Wachphasen holte mir einen Becher Kaffee nach dem anderen und bot mir kleine Leckereien an... Irgendwo auf der BAB zwischen Dortmund und Hannover hatte ich ihr dann den Faupax mit dem Ventilator verziehen...

© by Meg