Je nachdem, wann und wie eine Rückreise geplant ist, hat man am letzen Urlaubstag oft damit zu kämpfen, die restliche Zeit „totzuschlagen“. Mitunter können die Wartezeiten bis zum Abflug eine echte Geduldsprobe darstellen. Besonders dann, wenn man das Hotelzimmer bereits räumen musste und eigentlich nicht mehr genügend Zeit bleibt, um noch irgendetwas zu unternehmen, weil man sonst den Transfer zum Flughafen verpassen könnte. Die Lage am Abreisetag ist prekär. Was macht man also? Man "hängt" die Zeit in einem Café ab und trinkt eine Tasse Espresso nach der anderen…
Wohl dem, der seinen Abreisetag in Paris verbringen darf, denn hier in Paris langweilt man sich nie oder doch? Zugegeben bei der letzten Reise nach Paris, hatten meine Freundin und ich genau dieses Problem: Die Zeit war zu kurz, um noch etwas zu unternehmen, aber für das Herumsitzen in einem Café, war die Zeit wiederum zu lang. Sicher, es gibt nichts schöneres für mich, als die Straßencafés in Paris, aber irgendwann bricht auch in dem quirligstem Straßencafé die Langweile aus, vor allem dann, wenn man immer und immer wieder auf die Uhr schaut.
Ich denke, wir hatten bereits den dritten Espresso getrunken und dazu reichlich Wasser, denn zu jeder Tasse wurde ein Glas Wasser serviert. Eine Stunde hatten wir schon im Café gesessen. Wir waren fünfmal zur Toilette gegangen und es lag noch eine weitere Stunde Wartezeit vor uns. Da es stark regnete, hatten wir keine Lust, noch einen Bummel durch das Quartier zu machen. Wir blieben also gelangweilt im Café sitzen. Seit dem letzten Blick auf die Uhr waren gerade erst 5 Minuten vergangen. Plötzlich meldete sich meine Freundin mit einer ganz tollen Idee zu Wort, mit der wir mindestens 30 Minuten, wenn nicht sogar 45 Minuten oder länger beschäftigt sein würden…:
„Das hätte ich ja jetzt fast vergessen. Ich wollte doch noch Trüffel kaufen. Als Mitbringsel für meine Nachbarin, weil sie meine Blumen gegossen hat. Und für mich. Ich wollte mir auch noch welche mitnehmen. Schau mal da hinten ist eine Confiserie. Da gehen wir jetzt hin."...
Damit war ich einverstanden und so signalisierte ich dem Kellner, dass wir zahlen möchten. Wir sagten artig: „Au revoir“, schnappten unser Gepäck, verließen das kleine Café, um auf direktem Weg den Tempel der verführerischen Süßigkeiten anzusteuern. Zunächst blieben wir vor dem Schaufenster der Confiserie stehen und bestaunten die leckeren Auslagen mit vielen „hmmms“ und „O lecker“:
„Hmmm, das sind bestimmt Champagnertrüffel, meine Lieblingssorte“ sagte ich, wobei ich nochmals mit einem „echt lecker“ die Lust an der süßen Verführung unterstrich. „Die sehen gut aus und die da - "O", die da sehen auch gut aus “…
Ich fragte meine Freundin was sie denn zu kaufen gedenke, da die Preise für diese Leckereien bei uns ein „O la la“ verursachten.
„Na, ich denke, ich nehme eine Mischung, von jeder Sorte ein oder zwei Trüffel. Vielleicht dürfen wir ja auch probieren“, frohlockte sie. Da meine französischen Sprachkenntnisse nicht sehr überragend sind, überlegte ich, wie wir dem Verkäufer klarmachen könnten, was wir zu kaufen gedachten...
„Wir zeigen einfach mit dem Finger drauf“, sagte meine Freundin. Doch ich wollte auch mit meinem: „Je voudrais“ - „Ich möchte“… glänzen, denn das habe ich wirklich perfekt auf französisch drauf. Also überlegte ich laut: „Je voudrais… Aber was sagt dann? Wie mag wohl Trüffel auf französisch heißen... Vielleicht sagt man „Trüff“ oder „Truff“? Und was sagen sie zu gemischt? Das muss doch auch so ähnlich sein wie „Mixtur“, vielleicht sagen sie „Mixtür“, das hört sich auf jeden Fall sehr französisch an.“ Wir einigten uns dann auf den Satz:
„Je voudrais ün Mixtür de Trüff.“ Mit diesem Satz wollte ich dem Verkäufer die frohe Botschaft unseres Trüffeleinkaufs verkünden, in perfektem französisch, "natürlement!"
Wir betraten also die Confiserie: Ich bestens vorbereitet mit meinen Satz - meine Freundin bestens vorbereitet, mit ihrem bereits ausgestrecktem Zeigefinger, um auf die leckeren „Trüffs“ zu zeigen… Jedoch mehr als: „Bonjour!“, brauchte ich gar nicht zu sagen, denn kaum waren im Laden, hielt der Verkäufer auch schon freudig lächelnd zwei Tüten mit Trüffelmischungen in die Höhe, die er unter der Ladentheke hervor geholt hatte. Die eine mit 250 Gramm, die andere mit 500 Gramm Inhalt. Der ausgestreckte Zeigefinger meiner Freundin brauchte nur noch auf die Tüte zu zeigen und schon war der Trüffelkauf nach max. 3 Minuten wieder "fine" = zu Ende! Sie bezahlte und wir standen sogleich wieder auf der Straße, pardon - natürlich auf der "Rue"...
Weitere fünf Minuten später saßen wir wieder in unserem Straßencafé, wo wir uns mit einem freundlichen „Bonjour“ wieder beim Kellner zurück meldeten. Wir bestellten uns noch einen Espresso, bekamen noch ein Glas Wasser und fingen wieder an auf die Uhr zu schauen…
Eines muss ich meiner Freundin wahrlich lassen: Sie hat immer die besten Einfälle und ist wahrlich eine grandiose Meisterin im „Zeittotschlagen“ …
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